Perspektive Europa

energy marketEin europäischer Binnenmarkt für Energie entsteht

Die Beschlüsse des Europäischen Rats vom Oktober 2014 sind eine bedeutende strategische Weichenstellung. So soll z.B. der Anteil der Erneuerbaren Energien (EE) beim Energieverbrauch bis 2030 auf mindestens 27% pro Jahr steigen.

Angesichts der divergierenden energiepolitischen Zielsetzungen der Mitgliedstaaten und der traditionell sehr unterschiedlichen Energieträger-Mixes ist das eine ambitionierte Zielsetzung. Die setzt aber zugleich erhebliche Dynamiken frei und sorgt für völlig neue Marktchancen. Entscheidend ist die schnelle Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Marktdesigns.

Die Energiewende wurde leider in der gesamten EU nicht auf allen Ebenen mit gleicher Intensität vorangetrieben. Im Wesentlichen lag der Fokus bisher auf dem schnellen Ausbau von EE-Anlagen, während der Netzausbau und die Integration der neuen Anlagen in einem gesamteuropäischen Energiemarkt vernachlässigt wurden. Dies rächt sich nun, da die EE-Anlagen durch verschiedene nicht-marktorientierte Fördermechanismen den Staatshaushalt wie auch den normalen Verbraucherstrompreis belasten. Zum anderen wird die hohe Einspeisefluktuation zur Gefahr für die Netzstabilität. Momentan ist aber ein Umdenken bei den Akteuren zu beobachten.

 

virtual power plantVirtuelle Kraftwerke sind ein zentraler Baustein der Energiewende

Den VKW fällt bei der Ausgestaltung der europäischen Energiewende eine zentrale Rolle zu. Grundgedanke ist das zielgerichtete Zusammenwirken der zunehmend fragmentierten, dezentral aufgestellten technischen Einheiten zur gemeinsamen Nutzung von Marktchancen. Dies wird in Steuerungs-Logiken abgebildet. VKW helfen z.B. Ungleichgewichte wie Netzprobleme aus Schwankungen und Überlastungen, auch im Rahmen von Regelleistung, permanent und systematisch auszugleichen.

Eine fortschreitende grenzüberschreitende Marktintegration im Stromsektor ist wichtig, damit z.B. der zunehmende Anteil fluktuierender Erzeugerleistung nicht die nationale oder auch transnationale Netzstabilität gefährdet. Es gibt bereits bei der Erbringung von Regelenergie grenzüberschreitende Marktkoppelungen zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Im März 2016 betrug das nachgefragte Marktvolumen 783 MW. Gerade bei der Bereitstellung und der Erbringung von Regelenergie stellen die jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber hohe technische Sicherheitsanforderungen.